Weiler Zeitung vom 4. Juli 2019

Damit es auch in der Stadt summt

Von Marco Fraune

Damit es auch in der Stadt summErster Bürgermeister Christoph Huber (3.v.r.) zeigte den Ausschussmitgliedern auf dem Friedhof die Naturwiesen. Foto: Marco Fraune

Weil am Rhein - Die Stadt setzt verstärkt auf den Insekten- und Artenschutz, der mit kleinen Maßnahmen große Wirkung entfalten soll. Beispielhaft hat dabei der Bau- und Umweltausschuss am Dienstagabend zwei Flächen auf dem Friedhof und einen langen Grünstreifen im neuen Wohnbaugebiet in Augenschein genommen.

Die Stadt will im Sinne des Artenschutzes Grünflächen umstrukturieren, erklärte Erster Bürgermeister Christoph Huber bei der Ortsbegehung. Statt kurz zu mähen soll darauf geachtet werden, die Lebensgrundlage für Falter & Co. in Schuss zu halten, was aber mit einem Mehraufwand für die städtischen Grünpfleger verbunden ist. „Dieser ist gerechtfertigt“, will Huber, dass die Stadt hier ihren Beitrag zum Artenschutz leistet.

So setze die Kommune schon jetzt kein Glyphosat ein. Auch die Friedhofsgärtner verzichteten auf Pestizide, nur gegen den Buchsbaumzünsler gehe man vor, schilderte Huber. Bei den großen Mattfeldflächen greife zudem der Trinkwasserschutz. Hier ist der Wasserverband seit längerem bemüht, zum Verkauf stehende Flächen in das Eigentum zu bekommen.

Artenvielfalt auf Friedhof

Auf dem Weiler Friedhof trägt ein Zusammenwirken von Stadt und Schwarzwaldverein bereits erste Früchte. So hatte der frühere Vorsitzende des Vereins, Hermann Künzig, beim Ersten Bürgermeister nach Flächen für Naturwiesen gefragt, die mit heimischen Samen versehen werden. Da aufgrund der veränderten Bestattungskultur hin zum kleineren Urnengrab Bereiche frei werden, wird hier nun mit zwei Naturwiesen etwas für die Artenvielfalt getan.

„Es ist nicht spektakulär. Es braucht seine Zeit“, blickte Huber auf die sich noch im Anfangsstadium befindliche Wiese. Hintergründe zum Projekt hatte Künzig noch auf der Truz-Jahreshauptversammlung geschildert (wir berichteten). Zeit zu wachsen haben die Pflanzen: In den nächsten acht bis zehn Jahren werde die Friedhofs-Wiese nicht benötigt, blickte Huber voraus.

Grün im Neubaugebiet

Aufgrund des trockenen Wetters und der späteren Samenausbringung deutlich dürftiger stellt sich aktuell noch der Ertrag einen Steinwurf entfernt mitten im Neubaugebiet Hohe Straße dar. Dort, wo eine Achse für die noch über den Läublinpark bis zur Vitra führende Tram-Verlängerung perspektivisch frei gelassen wurde, befindet sich ein Grünzug auf etwa 1000 Quadratmeter Fläche mit der zum Friedhofsbereich vergleichbaren Samenmischung.

Tulpen an Hauptstraße

Beim so genannten Straßenbegleitgrün wird mehr auf Artenvielfalt als auf einen kurzen Grünschnitt gesetzt, schilderte Huber. Zugleich achte man darauf, hier einen Bereich kurz zu halten, damit Radler freie Fahrt haben und von größeren Gewächsen nicht behindert werden. „Wir versuchen, die Grünbereiche auch im Sinne des Artenschutzes umzustrukturieren.“ Im 20er-Bereich der Hauptstraße in der Innenstadt zähle hingegen weiterhin die Optik mit selbst gezüchteten Tulplen & Co.


Badische Zeitung vom 4. Juli 2019 

Von Ulrich Senf

Sogar der Friedhof wird Bienenwiese

Auf der Suche nach Flächen, die ökologisch genutzt werden können, ist die Stadt fündig geworden / Kein Einsatz von Glyphosat

Friedhof 1

Üppiges Grün wächst auf dem Friedhof und soll bald zu einer nektarreichen Heimstätte für Bienen und andere Insekten werden.
FOTOS: Senf

WEIL AM RHEIN. Heimische Wildblumen sind wichtige Nahrung für Bienen sowie andere Insekten und sorgen damit für Artenvielfalt auch im Stadtgebiet. Die Stadt Weil am Rhein bemüht sich seit einiger Zeit, möglichst viele Flächen für die Aussaat solcher Wildblumen bereitzustellen – entlang des Straßenrands sind sie ebenso zu finden wie im Neubaugebiet Hohe Straße und nun sogar auf dem Weiler Hauptfriedhof.

„Das sieht aktuell noch nicht wirklich toll aus“, dämpft Erster Bürgermeister Christoph Huber die Erwartungen bei den Mitgliedern des Bau- und Umweltausschusses, die am Montagnachmittag zum Ortstermin auf den Friedhof geladen waren, um sich ein Bild der Situation zu machen. Einige der Pflanzen brauchen mehrere Jahre, bis sie sich voll entwickelt haben und dann auch so wie gewünscht Blüten ausbilden.Friedhof 3 xSchilder weisen auf die besondere Qualität der Wiese hin.

Anregung kam vom Schwarzwaldverein

Auf den Weg gebracht hat die Bepflanzung auf dem Hauptfriedhof der Schwarzwaldverein. Dessen früherer Vorsitzender Hermann Künzig war Ende des vergangenen Jahres auf Huber zugegangen und hatte nachgefragt, ob die Stadt nicht noch ein paar Flächen hätte, um die Aktion „Biene Maya hat Hunger“ weiter voranzubringen. Huber zeigte sich sofort interessiert und nach einer Bestandsaufnahme stand fest, dass man zwei Flächen auf dem Friedhof freigeben könne, die zusammen immerhin 800 Quadratmeter haben. Im Frühjahr wurden die Flächen hergerichtet und eingesät, inzwischen haben sich die Kräuter und Gräser, bei denen es sich um heimsche Wildblumen handelt, die fast ausgestorben waren, gut entwickelt. Hinweistafeln des Schwarzwaldvereins bitten, die Flächen nicht zu betreten, und erklären die Aktion.


Mittelachse als Biotop

Fündig geworden ist die Stadt aber auch im Baugebiet Hohe Straße. Die breite Mittelachse, die das Baugebiet diagonal quert, ist ebenfalls mit einer solchen bienenfreundlichen Samenmischung bestückt worden. Der späterer Aussaattermin hat dafür gesorgt, dass die Blumen hier noch eher verhalten sprießen – Grund genug für die Stadträte Foege und Bayer anzumahnen, dass die Stadt auch die Pflege solcher Bereiche ernst nehmen müsse. Mit dem Aussähen oder Pflanzen alleine sie es nicht getan, wie etwa die Bäume entlang der Nordwestumfahrung zeigten, von denen viele abgestorben seien. Da komme der Stadt eine Vorbildfunktion zu, mahnten Bayer und Foege an.

Friedhof 4Weniger Mähen bedeutet höheren Pflegeaufwand

Mit dem Anlegen der Bienenwiesen ist es bei der Stadt nicht getan. Auch bei der Ausgestaltung von Kreiseln und der Pflege der Straßenränder lege man immer mehr Wert auf Nachhaltigkeit, so Huber. So würde entlang der Straßen außerorts nur ein schmaler, etwa einen halben Meter breiter Streifen regelmäßig kurz gemäht. Den Rest lasse man bewusst wachsen, um Insekten Nahrung zu geben. Nur zweimal im Jahr werde der Bereich gemäht. Das Gras bleibe dann zunächst liegen, damit es aussamen könne, und erst später zusammengerecht und weggefahren. „Das ist ein viel größerer Aufwand, als wenn man mit dem Mulcher alles regelmäßig abmäht, aber wir hoffen, dass es der Natur etwas bringt“, begründete Huber die Entscheidung. Ähnlich verfahre man auch in Verkehrskreiseln und auf Verkehrsinseln.

Kein Glyphosat im Einsatz

Ausgemustert haben die Stadtgärtner auch Glyphosate und andere sogenannte Roundups, betonte Huber in diesem Zusammenhang. „Auf unseren Flächen werden die schon längst nicht mehr eingesetzt“, erklärte er. Eine Ausnahme mache man einzig bei der Bekämpfung des Buchsbaumzünslers, dem auf andere Weise bisher nicht beizukommen sei. Auf den Einsatz von Unkrautvernichtern könne der Werkhof auch dort nicht ganz verzichten, wo er im Auftrag Dritter unterwegs und an Pflegeverträge gebunden ist.



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